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I.) Abb. _01
Face to [sur]face - Im Angesicht der Oberfläche
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Die Leinwand an der Fassade ist ein Portrait der Begegnung Mensch – Maschine, eine face to surface Konstruktion, ein Architektur-Interface, aus der Sicht der Medien. Nur denken Architekten nicht medial - wir denken räumlich. An den Rändern streifen wir das Mediale vermittelt durch Oberflächen – Grenzen, die Raum konstituieren. Die medialen Möglichkeiten der Architektur sind bestimmt durch ihre Oberflächlichkeit und damit implizit räumliche Betrachtung.
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Wie verhält sich Architektur zu Medium?
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1.
Was man aner/kennt ist eine Architektur, die Medien als Funktion begreift, die Räume definiert als immersives X.) 9 Ambiente, in denen die Botschaft und das Medium für die Wahrnehmung untrennbar miteinander konvergieren. Das gilt für Las Vegas genauso wie für Disneyland, ein Opernhaus oder die Electronic Lounge [Abb. 01].
In der Welt der Medien hingegen ist "Architektur" ein gut eingeführter Begriff:
man spricht von "Chip Architektur", rühmt sich "Architects of the New Economy" oder betreibt "Interface Architecture" etc.
Und das scheinbar zu recht. Ist die Aufgabenstellung doch völlig analog: Für ein komplexes System von unanschaulichen Randbedingungen ist ein sprechender Anschein zu schaffen. Eine Fassade der Technik, deren eigenes Vokabular unzugänglich und unpopulär gilt.
Das Icon am Bildschirm repräsentiert weder die Funktion, noch die innere Logik der Maschine, die dieses Bild erzeugt. Es referenziert auf Ideen und Konzepte, vor jeder Maschine - zeitlich wie räumlich.
Dennoch teilen sich Graphiker überall die Überzeugung, daß die Formation der BildInformation eine empirische Frage sei. Nämlich systematisches Interface Design auf der Grundlage von Versuchsreihen und deren statistischer Auswertung. Gemeint ist - Usertesting für mainstream Websites.
Jakob Nielson (als normative Instanz) gibt klare operative Anweisungen:
"Designing Web Usability" aus dem Jahr 1999 schafft die Kodifizierung des Netzes. Der Untertitel seines Bestsellers: The Practice of Simplicity fordert "die Anwendung des Einfachen".
Die Vorgangsweise ist entsprechend:
Eine Focusgruppe definiert das Problem: Welchen Zugang haben Menschen zu Inhalten? Man ordnet Themen bestimmten Kategorien zu, haufenweise. Die Auswertung dieser Häufungen etabliert eine Hierarchie und führt schließlich zu Prototypen informierter Oberflächen.
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5 bis 15 User (wie von Nielson empfohlen) werden der Oberfläche (Skin) ausgesetzt und ihr Verhalten registriert. Der Kauf eines Buches bei amazon.com benötigt im Test x Mausklicks. Die Anzahl der Klicks reduzieren, heißt schlicht den Umsatz erhöhen. „User don't want to be entertained, they want to find something!“ Goal directed behaviour als Vorraussetzung für wahrnehmungspsychologische Auseinandersetzungen.
Die Verwendung empirischer Techniken behauptet in erster Linie die Evaluierbarkeit, und in weiterer Folge, die Lenkbarkeit von menschlichem Verhalten. Die Frage nach der normativen Gültigkeit von Code bleibt dabei offen. Was bleibt ist desinging by pools - das Mehrheitsprinzip als Entwurfsmethode. Meinungsumfragen sondieren Konvention – erforschen Verbraucherverhalten. Implizit bedeutet das natürlich - Gutes Design ist akzeptiertes Design! Eine Haltung, die kommerzielle Gestaltung voraussetzt.
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Ich stelle mir eine analoge Strategie in der Architektur so vor:
Eine zufällig ausgewählte Gruppe von Passanten entscheidet spontan, ob der Eingang eines Gebäudes gefunden werden kann oder nicht. Die Leser/Schreiber der Kronenzeitung verhindern den Bau eines Leseturms im Museumsquartier Wien IV.) 1, und Tierschützer argumentieren über die tödliche Wirkung von himmelb(l)auen Glasfassaden auf Zugvögel in Hainburg. V.) 2
2.
Mit der Reflexion der Architektur in den Medien streifen wir den zweiten Ansatz medialer Architektur, als Gegenstand vermittelter Realität.
Vitra, Guggenheim und als lokale Variante vor allem die G - City im Gasometer beleben Schlagzeilen im Boulevard, Anekdoten im Feuilleton, und Fußnoten bei Architektursymposien. Diese Architekturen existieren durch und für die Berichterstattung - sind Kommunikations Ursache und Folge.
Das Prinzip der Talkshow VI.) 3 - etabliert den Meinungskonsens, und das täglich aufs Neue. Arch+, Schöner Wohnen, und Wallpaper* erläutern dem User was seine Zielgruppe zum Trend macht, affirmieren den aktuellen KursWert der Architektur.
Diese Wiederholung macht Sinn, ist - im Sinne Luhmanns - sinnkonstituierend.
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3.
Aber wie verhält es sich mit der Oberfläche von Architektur, die selbst Träger von Information, selbst Vermittler von Bedeutung sein will? Wie soll sich diese Architektur verständigen?
Die Gegenwart der Vergangenheit hält dafür ein Repertoire von Zeichen und Symbolen bereit um deren "Selbstverständlichkeit" uns Mediendesigner beneiden.
Strassen, Plätze und Gebäude sind dem User in Form und Funktion völlig geläufig, das Haus universell. Selbst Windows bedarf keiner Erläuterung.
Dennoch ist der Gebrauch von Icons und Ikonen (den Vorfahren der medialen Zeichen) in der Architektur prekär, wie folgendes Beispiel der Griechisch- Orthodoxen Kirche in Zürich zeigt: VII.) 4
Herzog & de Meuron konzipieren "einen Kirchenraum, der ausschließlich aus Ikonen bestehen soll […] dazu verwenden [sie] die photographischen Abbilder alter Ikonen […die sie] mittels Siebdruck auf […] Marmorplatten übertragen […] Aus diesen großflächigen, schwach lichtdurchlässigen […] Platten wird der ganze Kirchenraum, Wände und Decken aufgebaut." VIII.) 5
Jacques Herzog zum Projekt im Herbst 2001: "The most beautiful building we ever would have built." Das Projekt scheitert am Oberhaupt der orthodoxen Kirche. Warum?
Die Ikone ist keine Abbildung der Realität, in unserem Fall der Präsenz Gottes, sie ist kein Gemälde, kein Bild und trotz ihrer identischen Vervielfältigung über Jahrhunderte und verschiedene Gemeinden hinweg ist sie nicht nur identisch mit der Präsenz des Heiligen - sie ist heilig. Der Zugang zu Gott ist für die Ortodoxie kein mediatisierter.
Mit der technischen Reproduktion - seit Benjamin Inbegriff des Medialen - setzt das Medium eine Rekonstruktion Gottes an die Stelle des "Originals".
Der orthodoxe Bischof hat das, so vermute ich, erkannt und daraus die Konsequenz gezogen. VII.) 6
Wahrheit, meint Hörisch, als [ihr] Ökonom, gibt es immer nur eine, und die ist grundsätzlich knapp. IX.) 7 - 8
Kritik an der inflationären Bilderflut ist der letzte Versuch den Wahrheitsgehalt durch ihre Verknappung zu erhöhen – erfolgLoos. Es gibt keine "wahre" Repräsentation in der Architektur. Die Unterscheidung Realität und Repräsentation ist zugunsten der Medialität aufgehoben. Mit dem Anspruch auf Wahrhaftigkeit fällt auch jede Scheu vor den Medien.
mehr Renderings, mehr Animationen, mehr Fotocollagen, mehr Laminate, mehr Fototapeten, mehr Wallpaper*
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ZUM ANFANG |
Quellen:
- PELZIQ
Abb. _01 Electronic Lounge 1997
Abb. _03 Electronic Lounge Konzeptdarstellung 1997
- beige.
Abb. _02 Haizaki San No Omise 2001 - 2002
- Franz Sdoutz
Abb. _04 Objekt zur Ausstellung: » Young Blood: I'm a Young "Austerian" Architect! « 2006 [Siehe Entstehungsgeschichte]
- 1 Zur Entstehung des Wiener Museumsquartieres http://www.museumsquartier.de/
- 2 Zur Verhinderung des Nationalparkzentrums in Hainburg
(Dieser Presse Artikel ist leider offline.) Woran sich das Netz noch errinnert …
- IN:
Medienpraktisch, Heft 1/98, S. 51 - 56.
'Die Talkshow als "säkularisierte Beichte"?' von Rolf Schieder
Online bei: juergen-fliege.de
3 Wenn der Talkshow eine gesellschaftliche Funktion zugeschrieben werden soll, dann liegt sie in ihrer Normierungsfunktion, der "Normierung durch Deutung".
- 4 Ich beziehe mich hier auf einen Vortrag von Jacques Herzog
"On Image & Surface" (Herbst 2001, AA London)
6 Um die Tragweite dieser Konzeption abzuschätzen, stelle man sich im katholischen Ritus eine reproduktive Verwendung des Messweines bei der Wandlung vor. Herzog & de Meuron sehen freilich völlig andere Ursachen für das Scheitern des Projektes.
- IN:
ARCH+ 129/130 Dezember 1995 http://www.archplus.net/
5 [Seite 48] Projekt der Griechisch- Orthodoxen Kirche, Zürich, 1989, Herzog & de Meuron
- 'Kopf oder Zahl. Die Poesie des Geldes' von Jochen Hörisch, veröffentlicht bei Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main - 1998 (Erste Auflage 1996) http://books.google.at/
7 "Wahr wären demnach Sätze, die Sachverhalte adäquat repräsentieren; gerecht wären demnach Preise, die Wahrenwerten äquivalent wären. Und weil Wahrheit wie Reichtum selten, knapp und wertvoll ist, muß Sprache, die Wahrheit ausdrückt, und muß Geld, das über Preise wertvolle 'Sachen' repräsentiert, knappgehalten werden." [Seite 309]
8 "Wahrheit gibt es nicht …" [Seite 311]
Zum Vergleich: Rezension und Diskurs von Hartmut Winkler. http://homepages.uni-paderborn.de/
- IN:
ARCH+ 178, June 2006 [Seiten 58-61] http://www.archplus.net/
9 Eine [für Architekten amüsante] Betrachtung zum Verständnis der Immersion [als Halluzinationsmanagement] findet sich bei Peter Sloterdijk: 'Architektur als Immersionskunst'
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ZUM ANFANG |
Links
http://www.egs.edu/
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ZUM ANFANG |
Entstehungsgeschichte
- Vortrag zum Thema: "New Surfaces in der Architektur" Perfekte Location, HdA Graz, 3. November 2001.
Eine Veranstaltung entlang sechs verschiedener Themenskizzen: "Zur Entstehung und Gestaltung medial generierter Architekturen".
steirisc[:her:]bst
- Im März 2006 wählte eine Jury diesen Beitrag als Position junger Architektur aus Österreich in die Ausstellung »Young Blood: I’m a Young "Austerian" Architect!«, die im Juni 2006 am CCEA in Prag, im November 2006 im stadtmuseumgraz sowie im April 2007 im Az West (Architekturzentrum Wien) gezeigt wurde.
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